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Budo-Kampfkunst-Center > Einblicke Artikel > Karatekurs mit der Stütz- und Förderklasse

16.02.11 Karatekurs mit der Stütz- und Förderklasse

Japanische Liegestützen

„Wie heisst diese Technik? Du weist es sicher noch.“, aber auch Thomas zuckt mit den Schultern und schon muss er, wie seine Mitschüler, auf Boden um zehn Liegestützen abzuleisten. Da ist Sensei Horst, gnadenlos. In den vielen Jahren der Kinder- und Jugendarbeit in seiner Karateschule haben sich solche Motivationsstützen bewährt. Die Gruppe, die sich jetzt geschlossen, auf die Hände gestützt, abmühen muss, sind Gäste eines Schulprojekts. Die Chamer Stütz- und Förderklasse versucht sich in der Kunst der Selbstverteidigung. „Mae-Geri, der Fußkick nach vorne, wäre die richtige Antwort gewesen.“, konstatiert der Karatelehrer. Als alle wieder stehen, wird der Fußkick noch mal geübt. Manche machen das schon sehr geschickt, andere wiederum scheitern an der motorischen Umsetzung. Dann kommt Sempai Eva ins Spiel. Sie ist Erzieherin und auch als Trainerin in der Karateschule engagiert. Der Umgang mit den Jüngsten ist ihr Metier. Eva Hörmann nimmt sich der Kleinen an und versucht gezielt auf Schwächen einzugehen. „Diese besondere Zuwendung erfahren Kinder auch im normalen Unterricht.“, erzählt Lehrkraft Birgit Heigl-Venus, die mit ihrem Kollegen Gerhard Dietrich für die acht Schüler das nachmittägliche Karatetraining organisiert hat. „Wir bemühen uns mit der Stütz- und Förderklasse um Kinder die dem Regelschulbetrieb nicht gewachsen sind. Das mag manchmal am minderem Selbstbewusstsein, an Konzentrationsschwächen oder der fehlender Disziplin liegen. Eben all diese Eigenschaften, die bei Kampfsportlern so ausgeprägt sind.“ , schildert Heigl-Venus die Intention des Karateprojekts.

Das Training ist strukturiert. Die Kinder stehen ordentlich aufgereiht und sollen sich in der großen Spiegelwand selbst beobachten. “Ichi... ni… san… shi… go.” Damit sämtliche Bewegungen möglichst synchron ablaufen, wird laut gezählt. In einem Karate Dojo (Trainingsraum) traditionell auf japanisch. Bis zehn können das schon alle, wofür sicher auch die vielen Liegestützen gesorgt haben dürften. Weil Horst Donhauser die Klasse nach den sechs Trainingseinheiten in seinem Dojo nicht mit lehren Händen entlassen möchte, können sich die kleinen Kämpfer eine Urkunde und einen Karategürtel verdienen.

Antonia soll die Grundstellung nennen und zeigen. „Wie war da noch mal der japanische Name?“ , überlegt sie, bis ihr Eva mit einer kleinen Eselsbrücke auf die Sprünge hilft. Beim zeigen hat das schüchterne Mädel dann keine Startschwierigkeiten mehr. Sie darf vortreten und sich beim Sensei Horst die Urkunde, bei Sempai Eva den Karategürtel abholen. Manche meistern den Test mit Bravour, bei anderen wird geholfen bis die nötigen Punkte reicht sind. Im Vordergrund steht nur das positive Erlebnis.
Thomas ist an der Reihe, „Mae-Geri“ mit „Kiai“, der Fußkick mit Karateschrei. Zwar kann der Sensei die technische Ausführung nur mit viel gutem Willen erkennen, aber Thomas kann mit seinem Kampfgebrüll beim Karatemeister punkten.

Zum Schluß gibt es noch eine Belehrung. „Die erlernten, geheimen und sehr gefährlichen Kampfkünste dürfen nicht außerhalb des Trainingsraums und schon gar nicht auf dem Schulhof ausprobiert werden.“ Sonst kommt der Sensei persönlich und holt sich die Karategürtel wieder zurück. Bevor sich die Schulkasse wieder auf den Heimweg macht, holt jedes Kind ein Blatt Papier hervor, auf dem es seine Eindrücke in vielen, bunten Farben und mit einigen Worten festgehalten hat. Da zeigte sich auch ein sonst gnadenloser Karatemeister bewegt. Ob die Förderschüler künftig Rechenfehler an der Tafel mit Liegestützen verbüßen müssen bleibt offen. Die Lehrkräfte hoffen aber im Interesse der Schüler, daß das vom Jugendamt finanzierte Projekt eine Fortsetzung findet.          

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